Der Schlaumeier klärt auf: die Anaerobe Schwelle

4 mmol-Schwelle, Tangentenkonzepte, Übergang zwischen anaerobem und aerobem Stoffwechsel, usw. Es gibt unzählige Definitionen und Bestimmungen der sogenannten „Anaeroben Schwelle“ und jeder versucht sie zu verbessern. Doch um dies zu erreichen, müssen wir zunächst einmal verstehen, um was es sich bei der Anaeroben Schwelle handelt.

In der Fachliteratur wird die Anaerobe Schwelle als „die höchstmögliche Intensität (Geschwindigkeit/ Intensität), die ein Athlet aufrecht erhalten kann, ohne Laktat im Blut anzuhäufen“ definiert. Es stellt sich ein sogenanntes Fließgleichgewicht („Steady State“) zwischen Laktatproduktion und Laktatoxidation ein.


Allgemeine Energiebereitstellung

Um die Anaerobe Schwelle genauer zu verstehen, sollte man zunächst einen Einblick in den Stoffwechsel des Körpers vornehmen. Vereinfacht ausgedrückt läuft die allgemeine Energiebereitstellung im Körper folgendermaßen ab:

Im anaeroben Stoffwechsel (anaeroben Glykolyse) werden Kohlenhydrate ohne Zuhilfenahme von Sauerstoff verstoffwechselt. Dabei entsteht Laktat (bzw. Pyruvat) und es wird Energie gewonnen.

Im aeroben Stoffwechsel (aerobe Oxidation) wird das produzierte Laktat dann, unter Zuhilfenahme von Sauerstoff, weiter verstoffwechselt und es entsteht Energie.


Allgemeine Energiebereitstellung

Merke:

  1. Im anaeroben Stoffwechsel werden Kohlenhydrate ohne Zuhilfenahme von Sauerstoff zu Laktat verstoffwechselt

  2. Im aeroben Stoffwechsel wird Energie produziert, indem das entstanden Laktat mithilfe von Sauerstoff verarbeitet wird

  3. Es wird immer (auch in Ruhe) Laktat produziert und weiterverarbeitet

Szenario 1: Langzeitausdauerbelastungen

Bei Langzeitausdauerbelastungen erfolgt die Energiebereitstellung größtenteils über den aeroben Stoffwechsel. Die aerobe Oxidation läuft auf Hochtouren. Dadurch wird viel Laktat weiterverarbeitet. Die Laktatkonzentration ist somit niedrig. Außerdem können Fette zur aeroben Energiegewinnung genutzt werden.


Energiebereitstellung_Szenario 1_Langzeitausdauerbelastungen


Szenario 2: Kurze, intensive Belastungen – Sprints

Bei kurzen, intensiven Belastungen, wie Sprints, wird viel Energie in kurzer Zeit benötigt. Hierzu arbeitet der anaerobe Stoffwechsel sehr stark und kann viel Energie in kürzester Zeit produzieren. Das anfallende Laktat kann vom aeroben Stoffwechsel nicht komplett abgebaut werden. Dadurch häuft sich Laktat an und es kommt zu hohen Laktatkonzentrationen.


Energiebereitstellung_Szenario 2_Sprints


Szenario 3: Belastungen an der Anaerobe Schwelle

Arbeiten anaerober und aerober Stoffwechsel gleich stark, kann genauso viel Laktat abgebaut werden, wie produziert wird. Die resultierende Laktatkonzentration bleibt also auf einem konstanten Level. Tritt dieses Szenario ein, befinden wir uns an der sogenannten Anaeroben Schwelle.


Energiebereitstellung_Szenario 3_Anaerobe Schwelle

Merke:

  1. Bei Langzeitausdauerbelastungen arbeitet der aerobe Stoffwechsel stärker, als der anaerobe Stoffwechsel. Die Laktatproduktion ist niedriger als der Laktatabbau. Es resultiert eine niedrige Laktatkonzentration

  2. Bei kurzen, intensiven Belastungen, wie Sprints überwiegt der anaerobe Stoffwechsel. Die Laktatproduktion ist größer als der Laktatabbau. Es resultiert eine hohe Laktatkonzentration

  3. An der „Anaeroben Schwelle“ arbeiten anaerober und aerober Stoffwechsel gleich stark. Die Laktatproduktion ist genauso groß, wie der Laktatabbau. Die resultierende Laktatkonzentration bleibt auf einem konstanten Level. Deshalb ist auch nicht eine Übersäuerung beim Training an der anaeroben Schwelle der Abbruchgrund der Belastung.

  4. Eine Belastung an der anaeroben Schwelle muss irgendwann abgebrochen werden, weil die Kohlenhydrate nicht angemessen nachgefüllt werden können, da der Verbrauch dieser an der Schwelle sehr hoch ist

Die Anaerobe Schwelle setzt sich zusammen aus…

  1. Der Laktatproduktion des anaeroben Stoffwechsels (anaerobe Glykolyse)

  2. Dem Laktatabbau des aeroben Stoffwechsels (aerobe Oxidation)

Es ergeben sich zwei treibende Motoren, die für die Leistung an der Anaeroben Schwelle verantwortlich sind: der anaerobe (glykolytische) Motor und der aerobe Motor.

Die Leistung an der Anaeroben Schwelle wird demnach von zwei Kapazitäten bestimmt:

  1. Der maximalen glykolytischen Kapazität – ausgedrückt durch die VLamax

  2. Der maximalen aeroben Kapazität – ausgedrückt durch die VO2max